KI
Scroll durch Reels, Shorts oder TikTok und du landest früher oder später bei jemandem, der von einer Klippe oder Brücke auf ein Trampolin oder ins Wasser springt. Mitten im Sprung fährt die Person kurz durch das Stahlseil der Brücke – so wie man es aus Videospielen kennt, wenn eine Figur durch eine Wand “phast”, die eigentlich im Weg sein sollte – und irgendwo dazwischen ist sie plötzlich von vorne zu sehen, obwohl sie eine Sekunde davor noch mit dem Rücken zur Kamera stand. Und trotzdem: eine Million Views, tausend Kommentare.
Ein erstaunlich großer Teil von dem, was heute mit LLMs gebaut wird, macht im Kern nur eins: das Modell fragen “Ist das hier A, B oder C?”, dann die Antwort parsen, dann hoffen, dass da wirklich nur A, B oder C drinsteht. Und nicht "Das ist eindeutig A! Hier ist meine Begründung: …". Klingt vertraut?
Letzte Woche hat TypeSafe AI ein Modell vorgestellt, das genau dieses Problem ernst nimmt. Es heißt Jev. Und es kann keinen einzigen Satz schreiben.
Als ich die Meldung gelesen hab, dass Anthropic-Chef Dario Amodei öffentlich eine Pause bei der KI-Entwicklung fordert, war meine erste Reaktion Skepsis. Noch eine Panikmache aus dem eigenen Haus, dachte ich. Dann hab ich mir angeschaut, warum er das fordert – und der Grund hat mich mehr beschäftigt als die Forderung selbst.
Es ging nicht um eine böse KI. Es ging um ein Problem, das ich sofort wiedererkannt habe. Aus meinem eigenen Leben.
Jahrelang war es quasi Pflicht: Jeder Prompt beginnt mit “Du bist ein erfahrener Senior-Entwickler mit 15 Jahren Erfahrung in…”. Stand in jedem Guide, jedem Cheat-Sheet, jedem LinkedIn-Post zum Thema. Fühlte sich professionell an. War aber im Grunde Kaffeesatzleserei mit extra Schritten.
Anthropic hat vor Kurzem seine Best-Practices-Doku überarbeitet, und das Interessante ist, was darin nicht vorkommt: kein einziges Wort über Rollen-Prompts. Kein “Du bist Experte für…”. Stattdessen geht’s fast ausschließlich um eine Sache: Kontext.
Ich geb’s zu: Ich mag KI-Tools. Ich nutze sie täglich, ich lass mir von ihnen Code schreiben, ich generiere mit ihnen Bilder auf dem Mac. Aber genau deswegen kriege ich in letzter Zeit regelmäßig Zahnschmerzen, wenn ich sehe, wie viele Firmen KI in Produkte reinklatschen, weil irgendwer im Marketing-Meeting “Boah, das wäre doch mal innovativ” gesagt hat – und niemand im Raum den Mut hatte, “und was ist mit Missbrauch?” zu fragen.
Letzte Woche hab ich ungefähr 45 Minuten damit verbracht, einen System-Prompt für Claude zu schreiben. Ich wollte, dass das Modell genau meinen Schreibstil trifft, den richtigen Ton hat, meine Vorlieben kennt. Kontext hier, Kontext da, Beispiele rein, Edge Cases beschreiben. Ich war richtig stolz auf das Ergebnis.
Einen Tag später hab ich mit jemandem über ein Projekt gesprochen. Ich schätze, ich hab mir für die Erklärung drei Minuten genommen. Vielleicht auch zwei.
Ich geb’s zu: Ich bin spät dran. Während der Rest der Entwicklerwelt schon seit Monaten über Claude Code redet, hab ich mir das Ding erst letztes Wochenende mal ernsthaft angeschaut. Und jetzt sitze ich hier und frage mich, warum ich so lange gewartet habe.
„Ist halt noch ein KI-Tool” – dachte ich
Mein Gedanke vorher war ungefähr so: Noch ein KI-Assistent, der mir halbgaren Code ausspuckt, den ich dann dreimal überarbeiten darf. Kenn ich. Hab ich. Brauch ich nicht.
TL;DR
OpenClaw steht für eine neue Generation autonomer KI-Systeme mit direktem Computerzugriff.
Das verspricht enorme Effizienzgewinne – birgt aber massive Risiken.
Vollautonomie + Zugriff auf Konten, Secrets und persönliche Daten + Indirect Prompt Injections können zu stillem Kontrollverlust führen, den klassische Sicherheitsmechanismen wie Sandboxing nicht verhindern.
Der größte Feind ist dabei nicht bösartige KI, sondern blindes Vertrauen.
Skynet lässt grüßen
Künstliche Intelligenz hat längst aufgehört, ein reines Zukunftsversprechen zu sein. Sie ist da – in unseren Smartphones, in Unternehmen, in Fabrikhallen und zunehmend auch in autonomen Systemen. Mit OpenClaw steht nun ein weiteres Werkzeug im Raum, das für viele wie ein Quantensprung wirkt, für andere jedoch eher wie ein erster Schritt Richtung Skynet. Doch ist OpenClaw wirklich ein Segen – oder eher ein Fluch?
Hast du in letzter Zeit mal nach RAM-Preisen geschaut? Falls nicht: Tu es nicht. Es sei denn, du stehst auf Schockzustände.
Ich wollte eigentlich meinem kleinen Home-Server (ja, der Docker-Host, auf dem mein ganzes Node-RED-Geraffel läuft) ein kleines Upgrade gönnen. Nichts Wildes. Ein bisschen mehr Luft für neue Container. Aber als ich die Preise gesehen habe, dachte ich erst, mein Browser rendert die Währung falsch.
Aber nein. Es ist Realität. RAM ist das neue Gold. Und schuld ist – Überraschung – mal wieder die KI.
Neulich stolperte ich in den sozialen Medien über einen Post, der mich ehrlich gesagt ziemlich ratlos zurückgelassen hat. Eine mutmaßlich junge Frau fragte dort, ob sie ein mit Gemini generiertes Bild von sich selbst für ihre Bewerbung nutzen könne.
Moment mal. Bewerbung? Mit KI-Bild? Ernsthaft?
Da musste ich zweimal hinschauen. Nicht, weil das Bild schlecht gewesen wäre – KI kann heutzutage ja ziemlich hübsche Pixelkunst zaubern. Sondern weil die Frage im Kern schon zeigt, in welche Richtung wir da gerade schlittern.